Details

Essays on the real effects of exchange rate-based stabilizations

by Krois, Bettina

Abstract (Summary)
Die lateinamerikanischen Währungskrisen lenkten erst kürzlich wieder das Augenmerk auf die Gefahren wechselkursbasierter Stabilisierungen (WKBS). Dies sind Inflationsstabilisierungsprogramme, die den nominalen Wechselkurs als vorrangiges geldpolitisches Instrument einsetzen. Die vorliegende Dissertation dokumentiert die Wirkung der Stabilisierungen und präsentiert Erklärungsmodelle für deren stilisierte Fakten. Das erste Kapitel untersucht in Burns-Mitchell-Diagrammen typische reale und monetäre Effekte von 13 Stabilisierungsepisoden. Der anfängliche Anstieg des Konsums und des BIPs, die reale Aufwertung und die Verschlechterung der Leistungsbilanz sind dabei die auffälligsten stilisierten Fakten. Auf die Expansion folgt eine wirtschaftliche Abschwächung, d. h. niedrigeres oder Nullwachstum, falls die Stabilisierung noch andauert, und negative Wachstumsraten, falls das Programm bereits aufgegeben wurde. Die Kapitalimporte folgen einem ähnlichen Zyklus: Dem Anstieg zu Beginn der Stabilisierung folgt drei bis sechs Jahre später eine drastische Umkehr, die häufig mit dem Zusammenbruch des Programms einhergeht. Die Kurzlebigkeit von WKBS ist ein weiterer stilisierter Fakt: 70 % der betrachteten Stabilisierungen scheiterten innerhalb von 10 Jahren. Die anfängliche reale Aufwertung während WKBS wird meist als Anstieg des relativen Preises nicht-handelbarer Güter modelliert; empirische Ergebnisse hingegen unterstreichen die Bedeutung der internationalen Preisunterschiede handelbarer Güter. Kapitel 2 untersucht diese Ursachen durch die Anwendung von Engels Methode der Varianzzerlegung auf den realen Wechselkurs zwischen Brasilien und den USA. Die Ergebnisse bestätigen dabei sowohl die Modelle als auch den empirischen Befund: Bei Betrachtung der gesamten Stichprobe (von Januar 1981 bis Mai 2001) bestimmen Veränderungen der Preise handelbarer Güter und des nominalen Wechselkurses nahezu die gesamten Bewegungen des realen Wechselkurses. Während Perioden fester Wechselkurse hingegen sind die Preise nicht-handelbarer Güter von ähnlicher Bedeutung. Aufgrund dieses Ergebnisses wird in den in Kapitel 3 und 4 präsentierten Modellen der reale Wechselkurs in Abhängigkeit des relativen Preises nicht-handelbarer Güter dargestellt. Diese Modelle bilden kleine, offene Volkswirtschaften ab, die von nutzenmaximierenden repräsentativen Agenten mit perfekter Voraussicht bevölkert sind. Monetäre Größen sind aufgrund von cash-in-advance- Beschränkungen von Bedeutung. Weitere wichtige Modellelemente sind die Existenz von Marktimperfektionen (Preisstarrheiten und unvollständige Kapitalmobilität) sowie die mangelnde Glaubwürdigkeit der Stabilisierung. In Kapitel 3 ist diese durch die Antizipation einer Währungskrise à la Krugman (1979) begründet. Die reale Aufwertung kann dann mit vorausblickender Preissetzung der monopolistischen Produzenten nicht-handelbarer Güter erklärt werden: Aufgrund von Preisstarrheiten erhöhen diese ihre Preise in Erwartung der Währungsabwertung. Da die Preise handelbarer Güter durch das Gesetz des einheitlichen Preises bestimmt werden, folgt daraus ein Anstieg des relativen Preises nicht-handelbarer Güter und eine reale Aufwertung. Zudem wird aufgrund intertemporaler Konsumsubstitution der anfängliche Konsumboom reproduziert. Ökonometrische Evidenz bestätigt den Preissetzungsmechanismus: KQ-Schätzungen mit monatlichen mexikanischen Daten zeigen für Perioden fester Wechselkurse einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen dem relativen Preis nicht-handelbarer Güter und dem mexikanisch-US-amerikanischen Zinsdifferential als Approximation der Abwertungserwartung. Während das Ende der Stabilisierung in obigen Modell durch eine fundamentale Inkonsistenz von Wechselkursziel und Staatsausgaben bedingt ist, zeigt Kapitel 4, daß der Zusammenbruch auch aus sich-selbst-erfüllenden Erwartungen resultieren kann. Ein wesentliches Element ist dabei die Begrenzung der internationalen Kapitalmobilität. Diese erlaubt es, sowohl den anfänglichen Konsumboom als auch das Ende der Stabilisierung mit Erwartungen bezüglich der Dauer des Pegs und der nachfolgenden Geldpolitik zu erklären. Zusammenfassend zeigt die Dissertation die Gefahren wechselkursbasierter Stabilisierungen auf: Im Gegensatz zur herkömmlichen Meinung sind sogar relativ erfolgreiche und langlebige WKBS mittelfristig mit einer Kontraktion verbunden; nur wenige Programme erzielen eine nachhaltige Reduktion der Inflation. Die hier präsentierten Modelle zeigen, daß die mangelnde Glaubwürdigkeit der Programme - selbst wenn diese nicht durch Fundamentaldaten gerechtfertigt ist - zu Allokationsverzerrungen führt und den Erfolg der Stabilisierungsmaßnahmen gefährdet.
This document abstract is also available in English.
Document Full Text
The full text for this document is available in English.
Bibliographical Information:

Advisor:

School:Humboldt-Universität zu Berlin

School Location:Germany

Source Type:Master's Thesis

Keywords:Wirtschaft Wirtschaft Schwellenländer

ISBN:

Date of Publication:11/16/2004

© 2009 OpenThesis.org. All Rights Reserved.