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Als ob sich die Welt in Amerika gerundet hätte zur historischen Genese des US-Imperialismus aus dem Geist der Frontier

by Düker, Ronald

Abstract (Summary)
Die Arbeit folgt dem Frontier-Mythos, einer Narration, die für die US-amerikanische Kultur von grundlegender Bedeutung ist. Der Gang von Ost nach West, den die Erschließung und Kultivierung des Kontinents beinhaltete, formierte auf verschiedenen Feldern eine mythologische Erzählung: in der Literatur- und Politikgeschichte und in einer Unterhaltungskultur, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Form von Groschenromanen oder Wild-West-Shows entstand. Die thematischen Hauptaspekte der Arbeit richten sich auf Geographie, Technologie und Verkehr. Buffalo Bill''s Wild-West-Show, die die Geschichte der frontier als Kampf zwischen Zivilisation und Natur, also modernen Amerikanern und indianischen Ureinwohnern, erzählt, stellt dazu den Cowboy, personifiziert durch den Show-Impresario William F. Cody, in den Mittelpunkt. Der selbst in Bewegung befindliche Showbetrieb korrespondiert dabei der Geschichte, die er erzählt. Mehrere Tourneen nach Europa leisten zudem einen Mythentransport zwischen Alter und Neuer Welt. Dabei geht es insbesondere um die Betonung einer Differenz zwischen zeitlicher Vertikale und räumlicher Horizontale: also zwischen der statisch organisierten Ordnung des europäischen Königshofes (Ahnentafel) und der dynamisch verfassten sowie auf Brüderlichkeit gegründeten amerikanischen Demokratie (moving frontier). Dieses Muster diskutiert die Arbeit anhand von Mark Twains Roman "A Yankee from Connecticut on King Arthur''s Court" und Herman Melvilles "Moby Dick". Letzterer belegt, wie die phantasmatische Energie des Frontier-Mythos auch dann noch insistiert, als der Kontinent erschlossen und der Pazifik erreicht ist: als Kreiselbewegung um den Globus selbst. Hier scheint bereits ein imperialistisches Muster auf, das die USA im Zentrum einer neuen Weltordnung sieht. "Als ob sich die Welt gerade in Amerika gerundet hätte", dieses titelgebende Diktum entstammt Deleuze/Guattaris "Mille Plateaux", das im Hinblick auf seine psychogeographischen Implikationen eine Rahmentheorie der Arbeit bildet. Wie sehr die grundlegende mythische Narration vom Wilden Westen weltpolitische Konsequenzen zeitigt, belegt exemplarisch der letzte Teil der Arbeit, der den Einsatz des Hollywoodregisseurs und Westernspezialisten John Ford in Diensten des Auslandsgeheimdienstes OSS während des Zweiten Weltkriegs zum Thema hat.
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Bibliographical Information:

Advisor:

School:Humboldt-Universität zu Berlin

School Location:Germany

Source Type:Master's Thesis

Keywords:Wissenschaft und Kultur allgemein

ISBN:

Date of Publication:01/10/2008

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